Der Bauhaus-Stil im Praxistest

Architektur zum Wohlfühlen

Zeitlos schön, geradlinig und äußerst funktional hat der Bauhausstil zahlreiche Bewunderer. Aktuell sind diese Häuserstile in kubischer Bauform wieder besonders im Trend. Nachdem Sie im voran gegangenen Beitrag den historischen Kontext dieses Kunst- und Baustils erfahren konnten, möchten wir uns in diesem Beitrag in die Gegenwart begeben und die heutige Interpretation und Umsetzung dieser markanten Bauweise näher beleuchten.

In den letzten Jahrzehnten gab es immer wieder stilistische Umbrüche, denn während in den neunziger Jahren – in der Hochzeit der Stadtflucht – die Nachfrage nach Landhäusern und Friesenhäusern besonders groß war, konnte man zu Beginn des neuen Jahrtausends einen klaren Trend zum Bungalow ausmachen. Ein weiterer Trend sind Häuser im mediterranen Baustil. Was jedoch stets gefragt war und ist, sind Häuser in einer modernen Formensprache ohne Zierelemente und in kubischen Formen. Sei es der Bungalow mit Flachdach oder ein schön gelegenes zweigeschossiges Einfamilienhaus mit großen Fensterflächen, flachem Dach und einem offenen Grundriss, stets ist der Bauhausstil präsent. Es muss jedoch nicht eine exponierte Hanglage sein, um ein Haus im modernen Stil zu errichten. Ebenso gut lassen sich die geradlinigen Formen in einem urbanen Kontext z. B. als Townhouse und auf schwierigen Grundstücken realisieren. Besonders bei einem Haus in der Stadt bietet ein modernes Haus die einmalige Gelegenheit auf den Flachdächern ein Garten anzulegen und schöne Sitzecken einzurichten.

Der Bauhaus-Stil im Praxistest
Alasia desiree © WHO’S PERFECT

Je nach Bauordnung lässt sich aufgrund der Bauweise, den verwendeten Materialien und der freien Platzierung von Fenstern und Türen mit einem modernen Wohnhaus die Fläche optimal ausnutzen und auch gezielt Blickachsen gesetzt und das Tageslicht geplant werden. Generell schätzen viele Bauherren am Bauhausstil seine große Flexibilität bei der Grundrissgestaltung und die hellen Wohnräume. Das Thema natürliches Licht bzw. Tageslicht ist oftmals der ausschlaggebende Punkt, sich für ein modernes Haus zu entscheiden. Dabei werden die Fenster oft als rahmenlose ineinander schiebbare Festglas-Fenstertüren realisiert. Ist ein Einblick von außen unerwünscht, können die Fenster auch aus transloziertem, sprich, lichtdurchlässigem, aber sichtgeschütztem Material gefertigt sein. Bei den weiteren planerischen Details eines Hauses im Bauhausstil geht es zum Beispiel um die Kombination aus großflächigen, bodentiefen Glasfronten mit senkrechten oder waagerechten Sichtbetonelementen bzw. Holzverkleidungen. Der Einsatz solcher Stilmittel unterstreicht zudem die skulpturale Wirkung eines Hauses.

Der moderne Baustil findet seine Verbreitung sowohl in den Städten als auch ländlich geprägten Gegenden. In den Städten wird hauptsächlich in die Höhe gebaut. Die Häuser verfügen oftmals über drei Vollgeschosse mit einer Dachterrasse. Unter weitgehenden Verzicht auf Fassadenschmuck, lässt sich beim Innenraum ein großer Variantenreichtum feststellen. Von doppelgeschossigen Wohnräumen und Eingangsbereichen bis hin zu Split-Level-Konzepten reicht die gestalterische Bandbreite. Große Panoramafenster geben den Blick in die Stadt frei und spezielle Verdunklungsmöglichkeiten sorgen für die gewünschte Privatsphäre. Oftmals runden das Wohnangebot Balkone und Wintergärten ab. Jedoch wollen die Bewohner eines modernen Stadthauses nicht auf Gemütlichkeit verzichten. So sorgt ein immer breiteres Angebot an modernen Feuerstellen in den kühlen Monaten für eine wohnliche Stimmung.

Auch im klassischen Einfamilienhausbau für die ländliche Gegend kann man den Trend zur klaren, schmucklosen Formensprache ausmachen. Gestalterisch bietet das Einfamilienhaus sowohl die Möglichkeit sein Haus aus verschiedenen Kuben zusammen zu setzen, denn so entstehen schöne Vor- und Rücksprünge die als Außenwohnräume inszeniert werden können, oder sich für nur einen Kasten-Baukörper mit Pultdach – mit schön gesetzten Fenstern und interessanten Fassadenmaterialien – zu entscheiden.

Der Bauhausstil wird auch von der Denkmalpflege bevorzugt, wenn es darum geht einen Altbau zu erweitern. Oftmals werden die beiden Einheiten – der Altbau und Ergänzungsbau – durch Glas, entweder in Form eines Gangs oder als Lichtschlitz, voneinander getrennt. Der neue Baukörper trägt oftmals eine moderne Formensprache, bei der sich auch die Fassadenmaterialien und Fensterformate vom Altbau unterscheiden.

Der Bauhaus-Stil im Praxistest
Bauhaus Dessau © Ross Sokolovski / unsplash.com

Der Begriff Bauhaus findet heute seine Verwendung oftmals im Zusammenhang mit einer exklusiven und individuellen Einfamilienhausarchitektur, die von Architekten oder Hausbauunternehmen nach den Wohnwünschen umgesetzt wird. Es ist eine bewusste Entscheidung für einfache Formen, die in erster Linie ästhetische und energetische Gründe hat. Kompakte Bauformen erfreuen jedoch nicht nur das Auge, sondern innovative Materialien und eine moderne Gebäudetechnik begünstigen das Energiesparen, und folgen damit einem Haupttrend und einer Notwendigkeit unserer Zeit. Oftmals hat ein modernes Gebäude mehr Außenflächen als ein traditionelles Wohnhaus, wo die Dachflächen einen Großteil der Außenflächen ausmachen. Somit sollten Bauherren einen besonderen Fokus auf die Reduzierung des Wärmeverlusts legen. Um den energiesparenden Charakter des modernen Bauhausstil zu unterstreichen, werden die großen Fensterflächen idealerweise nach Süden ausgerichtet, während die Fassaden mit den kleinen Fenstern im ebenfalls typischen Bauhaus-Stil nach Norden zeigen. Natürlich müssen diese Ideale den Gegebenheiten am Bauplatz angepasst werden.

Anbauten, Dachterrassen, Garagen oder Carports in kubischen Formen, die ineinander verschmelzen, können in der Außenwirkung des Hauses zusätzliche Akzente setzen – sofern sie sich in das Gesamtbild harmonisch eingliedern. Ebenfalls kann eine stark konträre farbliche Fassadengestaltung für die Haustür und die Fensterrahmen das i-Tüpfelchen sein. Hierfür finden Bauherren hilfreiche Anregungen bei den Reihenhäusern der Wohnsiedlung Onkel Toms Hütte des Architekten Bruno Taut. Typisches Merkmal der neuen Architektur war das Flachdach, welches noch heute für den Bauhausstil steht. Mittlerweile werden Flachdächer oftmals begrünt oder aber zur Aufstellung von Solarmodulen genutzt – diese sind dann von der Straße unsichtbar und stören nicht das Gesamtbild. Die heutigen technischen Möglichkeiten sehen oftmals ein Regenwassersammlung zur Dachmitte hin vor, während die Ableitung über klassische Außen-Fallrohren erfolgt. In späterer Zeit hat sich auch das Pultdach für moderne Wohnbauten durchgesetzt. Bei dieser Dachform ergibt sich die schöne Möglichkeit ein weiteres Geschoss zu haben oder diesen Bereich als Galerie zu nutzen.

Doch Emotionen allein sind heute nicht ausreichend, wenn es um die Investition in das eigene Haus geht. Auch die technischen Fakten müssen stimmen. Der Gesetzgeber hat ohnehin mit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) die Ziele des Klimaschutzes in den Vordergrund gestellt und die Ansprüche an einen geringeren Energieverbrauch der Häuser hoch gesetzt. Das heutige Gebäudeenergiegesetz (GEG) führt das bisherige Energieeinsparungsgesetzes (EnEG), die Energieeinsparverordnung (EnEV) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes (EEWärmeG) in einem Gesetz zusammen. Für private Bauherren stehen somit keine großen Änderungen an. Wer sein Haus sanieren oder eben neu bauen möchte, hat ähnliche Werte wie in der zuvor gültigen EnEV zu erfüllen.

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Sofa Atlas Sessel Jupiter Arketipo © WHO’S PERFECT

Realisiert werden solche Vorgaben durch eine wärmegedämmte Außenhaut und innovativer Haustechnik. Wärmepumpen, Solaranlagen und kontrollierte Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung sind das Maß der Dinge und sorgen dafür, dass das Haus die Anforderungen förderfähiger KfW-Effizienzhäuser erfüllt. So können auch staatliche Fördergelder beantragt werden. Dabei kann das Haus in klassischer Massivhausbauweise, in moderner Fertigteilbauweise oder auch in Trockenbauweise erbaut werden. Zur Steigerung des Wohnklimas legen die meisten Hersteller einen besonderen Wert auf eine strenge Auswahl der Baustoffe.

Doch zu einem gesunden Leben gehören heute mehr als baubiologisch unbedenkliche Baustoffe oder Luftwechselsysteme. In den heutigen, immer komplexer und hektischer werdenden, Zeiten muss ein Zuhause mehr bieten: Zum Wohlfühlen und zur Entspannung für Körper und Geist wird die entsprechende Wohnatmosphäre vonnöten und ist verbunden mit ausreichend Platz für den persönlichen Rückzug. Hier werden die Retro-Zitate des Bauhauses – die Form folgt der Funktion – mit den Ansprüchen modernen Wohnens zu weiträumig geschnittenen Grundrissen kombiniert. Die Umsetzung des Bauhausstils im Innenraum ist nur bedingt möglich, denn oftmals bewegten sich die Planungen und Ideen der 1920er zwischen den Polen von sozialem Massenwohnungsbau und exklusiven Villen. Während es beim Wohnungsbau darum ging, dass jede Wohnung über ein Badezimmer, eine Küche und funktionale Möbel verfügt, kam es bei den „Bauhaus-Villen“ zu einer Zusammenführung aus großbürgerlichen Wohnformen mit geradlinigen Formen. Stets ging es um die Ausrichtung der Hauptwohnräume zur Sonne, während die Schlafzimmer eher eine untergeordnete Rolle spielten. Auch die Küche war hauptsächlich eine Arbeitsstätte – entweder der Hausangestellten oder der Ehefrau. Die größte Innovation der 1920er Jahre war die erste standardisierte moderne Einbauküche – die Frankfurter Küche – der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky. Funktionalität und Design sowie eine äußerst kompakte Form zeichneten den Entwurf aus. So wurden zum Beispiel alle sichtbaren Holzoberflächen blaugrün gestrichen, weil diese Farbe Fliegen abhält – so eine damalige Studie. Die Frankfurter Küche bestand aus Möbeln, die der Küchenarbeit dienten – also einen funktionalen und praktischen Zweck erfüllten. Es gab ein Abtropfbecken, was das Abtrocknen ersetzen sollte. Spezielle Leisten dienten der Befestigung von Passiergeräten und anderen Küchengeräten. Charakteristisches Merkmal ist ein separates Möbel mit 18 bzw. 12 Schütten. Die Ansprüche an eine moderne Küche haben sich deutlich weiterentwickelt.

Bei heutigen Wohnhäusern im Bauhausstil begegnen einem Innenraum mit großzügig bemessenen, offenen Wohn-Koch-Essbereich, Schlafzimmer mit Ankleidezimmer und ein sich anschließendes Wellnessbad. Der Eingangsbereich kann beispielsweise mit einer über zwei Geschossen reichenden und verglasten Galerie den Empfang seiner Gäste und Bewohner zu einem besonderen Erlebnis machen. Bauhausstil bedeutet eine klare Gliederung der Räume nach Funktionalität. Heute beherzigen viele Architekten und Hausbauunternehmen einen weiteren Aspekt, denn flexible Raumkonzepte ermöglichen die Anpassung des Hauses an geänderte Lebenssituationen.

Damals wie heute gibt es einen Mittelpunkt im Haus, den die Bewohner auch am meisten nutzen. Während es vormals stets der Wohnraum mit Blick in den Garten und einer Aufteilung in Ess- und Sitzbereich war, ist es heute zunehmend die große Wohnküche. Gerade die Küche als Ort des geselligen Miteinanders beim Kochen und Essen ist für viele mittlerweile der wichtigste Raum im gesamten Haus. Die anderen Räume sollten sich diesem Raum unterordnen, um dem Grundriss eine Ordnung und Bezugspunkte zu geben. So entstehen auch Spannungsfelder und ein besonderes Raumgefühl. Sinnvoll kann es sein, dass Erdgeschoss mit höheren Zimmern auszustatten und durch den Raumgewinn das Größengefühl zu erweitern. Ein weiteres Stilmittel ist auch ein starker Außenbezug, der auf vielfältige Art und Weise hergestellt werden kann. Prädestiniert ist dabei eine schöne große Terrasse, die den Wohn raum in den Garten erweitert.

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Dumbo Cattelan Italia © WHO’S PERFECT

Angenehm kann die Einplanung mehrerer Sanitärbereiche sein. Das Gäste-WC gilt dabei schon als Standard. Ein zusätzliches Duschbad für Gäste und Kinder erhöht die Annehmlichkeit und erleichtert es, entspannende Wellness-Momente im Hauptbad zu genießen. Um den elterlichen Rückzugsbereich zu vergrößern, kann das Schlafzimmer mit einer Ankleide ausgestattet werden. Idealerweise lässt sich dieser Raum sowohl vom Schlafzimmer als auch vom Bad betreten. Allerdings sollte das Bad aus schall- und lufttechnischen Gründen nicht direkt an das Schlafzimmer grenzen.

Dass die Küche einen wichtigen Ort im Haus darstellt, wurde schon erwähnt. Doch um das Haus stilistisch einheitlich zu gestalten, sollte auch dieser Raum dem Bauhaus-Motto „die Form folgt der Funktion“ eingehalten werden. Das zurückliegende Jahrzehnt ließ Küchenplaner sensationelle Ideen entwickeln. So kommen nun immer mehr überzeugende Innovationen als „Gesamtpaket Küche“ auf den Markt, die unterschiedlichsten Ansprüche vereinen. Es fängt mit der durchgeplanten Lichtinstallation von Küche und Raum an, geht über in ergonomisch und ablaufoptimierte Unterbringung der verschiedenen Arbeitszonen bis hin zu offenen oder geschlossenen Stauraumvarianten.

Küchen waren noch nie so raffiniert, so ausgeklügelt, so professionell und so ästhetische Meisterwerke wie heute – beim Bauhaus war die Küche eher Arbeitsort und keine Inszenierung des Familienlebens. Nichts ist in der modernen Küche dem Zufall überlassen. Jeder Bereich ist den individuellen Bedürfnissen der Bewohner und aktiven Benutzer angepasst. Dies manifestiert sich auch in einem Mix verschiedenster Oberflächen aus Glas, Metall, Holz oder Stein. Neben diesen Ausgestaltungsmöglichkeiten werden auch die technischen Aspekte rund um die Küche immer ausgefeilter und reichen von Schränken und Fächer völlig ohne Griffe und mit automatischem Öffnungsmechanismus bis hin zum multimedialen Herd. Offene Regale zeigen den Wunsch nach Klarheit und Ordnung. Optisch geradlinig und schlicht geht dieser Trend Hand in Hand mit dem Bedürfnis nach Übersichtlichkeit. Dieser zeigt sich auch in den Materialien und Farben der Küchenfronten. Helle hochglänzende Oberflächen stehen im Kontrast zu warmen dunklen Farben.

Gleiche Entwicklungen sind im zweiten Funktionsbereich des Hauses, dem Bad, festzustellen. Vorbei sind die Zeiten schmuckloser, fader Funktionszimmer, die alles andere als zum Verweilen einladen. Moderne Bäder sind Wellnesstempel, überschreiten Grenzen und setzen neue Blickwinkel. Sie schmiegen sich gelungen in die Schlaf- und Wohnlandschaft ein. Das Bad präsentiert sich mit Dampfduschen, Whirlpool Wannen und Saunen als echte Lieblingsorte, die nicht nur zur Körper- sondern auch zur Seelenpflege einladen. Die Gestaltung und Ausstattung orientiert sich am Gesamtambiente des Hauses und setzt auf modulare, flexibel einsetzbare Möbel und praktische Detaillösungen. Möbelfronten mit Echtholzfurnieren, wie etwa Walnuss, Rosenholz oder Eiche, sind ebenso beliebt wie glänzende Lackoberflächen in den Trendfarben Weiß, Violett oder Schwarz. Für die durchdachte Rauminszenierung sind clevere Planungsideen unerlässlich. So bilden oft neben dem kubischen Waschtisch großzügig bemessene und bodentiefe Duschflächen und moderne Wannen das optische Zentrum des Raumes. Aber auch der Waschtisch selbst kann als Insellösung in der Mitte des Raumes thronen.

In den restlichen Räumen des Hauses sollten sich die Möbel den Bedürfnissen der Bewohner anpassen. Darüber hinaus können ausgewählte Designermöbel den durch die Architektur geschaffenen Anspruch unterstreichen. Hier bietet der Bauhaus-Stil zahlreiche Klassiker. Wegweisend in Form, Funktion und Qualität trotzen diese Designerstücke den kurzfristigen Trends und genießen seit Jahrzehnten Kultstatus in der Wohnlandschaft. Sie bilden auch den krönenden Abschluss des modernen Wohnens.

Regionales Immobilien Journal / Fabian Möbis

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